Blog

Die untreue Praxismanagerin

Ich hatte vor einiger Zeit 2 Ärzte vertreten, die in einer Partnerschaftsgesellschaft tätig waren. Es stellte sich heraus, dass ihre langjährige Praxismanagerin sie offenbar über Jahre betrogen hatte (dringender Verdacht von erheblichen Untreuehandlungen). Nachdem ich für meine Mandantin (die Partnerschaftsgesellschaft) über einen Gerichtsvollzieher zunächst eine außerordentliche Kündigung zustellen ließ,

habe ich nach Kenntnis weiterer Verdachtsmomente eine 2. außerordentliche Kündigung ausgesprochen, die gesondert per Boten zugestellt worden ist.

Die Arbeitnehmerin hatte durch ihren Rechtsanwalt im Rahmen einer Kündigungsschutzklage nur die 1. Kündigung angegriffen. Es wurde von dem Kollegen auch kein sogenannter Schleppnetzantrag gestellt (Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis auch nicht durch andere Beendigungstatbestände geendet hat, sondern …). Dem Kollegen ist vermutlich die 2. Kündigung überhaupt nicht zur Kenntnis gegeben worden. Da die 2. Kündigung nicht innerhalb der 3-wöchigen Klageerhebungsfrist (§ 4 Abs. 1 Kündigungsschutzgesetz) angegriffen worden ist, hatte sie das Arbeitsverhältnis beendet. Die Klage hatte daher keine Aussicht mehr auf Erfolg und wurde zurückgenommen.

Dadurch wurde der Mandantin ein vermutlich langjähriger Kündigungsschutzprozess erspart, der ggf.  in einem teuren Abfindungsvergleich beim Landes- oder Bundesarbeitsgericht hätte münden können. Dies war umso wichtiger, da etwaige spätere Tatkündigungen ggf. noch schwerer im Prozess hätten mit Erfolg begründet werden können. Die zuständige Staatsanwaltschaft, die das sehr umfangreiche Ermittlungsverfahren gegenüber der ehemaligen Praxismanagerin geführt und dabei 5 Staatsanwälte „verschlissen“ hatte, hatte nämlich das Ermittlungsverfahren nach knapp 2 Jahren „sang und klanglos“ eingestellt. Zur Begründung wurde u. a. angegeben, dass der verursachte Schaden gegenüber der Praxis nicht so stark ins Gewicht gefallen sei, wie der Schaden gegenüber einer privaten Krankenversicherung. Dies war sehr erstaunlich, da der Schaden der Praxis sich auf ca. 190.000,00 EUR und der der privaten Krankenversicherung auf nur ca. 8.100,00 EUR belief. Da die Praxismanagerin die ehemalige Ehefrau eines der beiden Partner war und seinerzeit umfangreiche Kontovollmacht hatte, wäre ein gutes Ergebnis für die Arbeitgeberin in dem Kündigungsschutzprozess nur sehr schwerlich möglich gewesen. Vergessen möchte ich an dieser Stelle nicht, dass einer der 5 Staatsanwälte dem Verteidiger der Praxismanagerin zwischenzeitlich mitteilte, dass bei einem Schaden von 200.000,00 EUR nicht mit einer Einstellung nach § 153a StPO gerechnet werden könne. Leider wurde dieser Staatsanwalt von dem Fall abgezogen, so dass es anstatt einer Anklage zu einer Einstellung der angezeigten Untreuetaten kam. 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok