Arbeitsrecht News

13 Minuten zu spät zur Arbeit reicht nicht für eine Abmahnung

Das Arbeitsgericht Leipzig hat mit Urteil vom 23.07.2015 – 8 Ca 532/15 – entschieden, dass eine Abmahnung bei einer 13-minütigen verspäteten Arbeitsaufnahme unverhältnismäßig und damit rechtswidrig sei. Der Arbeitnehmer habe daher einen Anspruch auf Entfernung der Abmahnung aus seiner Personalakte (der Anspruch resultiert aus §§ 1004, 242 BGB). Zunächst stellt das Arbeitsgericht zutreffend eine schuldhafte Arbeitspflichtverletzung fest. Die Abmahnung sei jedoch unverhältnismäßig. Eine Ermahnung (Vorstufe zur Abmahnung, die häufig auch als Rüge bezeichnet wird) hätte ausgereicht, um beim Arbeitnehmer eine Verhaltensänderung zu bewirken.

 

Das LAG Bremen hat bereits mit Entscheidung vom 08.09.1982 – 2 Sa 1/82 – eine nur um wenige Minuten verspätete Arbeitsaufnahme als geringfügiges Fehlverhalten erachtet.

 

Fazit: Die Entscheidung dürfte sicherlich dem Einzelfall geschuldet sein und keine größere Tragweite haben. Wenn beispielsweise ein Zugführer, ein Straßenbahnfahrer oder eine OP-Schwester zu spät zur Arbeit kommen, kann dies sehr erhebliche Auswirkungen im Betriebsablauf haben. Wichtig ist, dass Arbeitgeber stets das konkrete Fehlverhalten schriftlich gegenüber dem Arbeitnehmer rügen und zugleich weitere arbeitsrechtliche Schritte im Falle der Wiederholung androhen.

 

Thorsten Hatwig

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Arbeitsrecht

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